Sonntag, 17. Februar 2019

Bestattungen? Peter Wilhelm und das Buch Darf ich meine Oma selbst verbrennen?

Es stellt sich natürlich folgende Frage:

Sollte jemand wie ich, der jeden Tag mit schweren Depressionen zu tun hat, dem es jeden Tag passieren kann, sich mit Selbstmordgedanken zu tragen, ein Buch lesen, in welchem es ganz offensichtlich um ein so endgültiges Thema wie den Tod geht?



Wenn es sich um dieses Buch handelt: auf jeden Fall.



Es ist doch so: auch ich werde eines Tages den Gang aller Dinge gehen.



Ausserdem mag ich es Bücher zu lesen, in dem Geschäftsleute Anekdoten aus dem Leben der Arbeit unter die Leute bringen. 



Natürlich mag ich vor allem die Geschichten, die mich zum Lachen bringen.



Dann gibt es auch die Stories, bei denen ich mir an den Kopf fassen muss, und es kaum glauben kann, dass es Menschen gibt, die gewisse Anliegen und gewissere Fragen an die Leute bringen. 

Teilweise möchte ich ja glauben, dass der Autor ein wenig übertreibt oder ein wenig über die Stränge geschlagen hat, nur um ein Statement zu machen.



Dann erinnere ich mich an meine Zeit der Arbeit und weiss nur zu gut; der Autor hat sehr wahrscheinlich noch Gnade walten lassen und die jeweiligen Leute besser davonkommen lassen, als sie es vielleicht verdient hätten. 





Gestehen möchte ich an dieser Stelle; auch ich habe mich mehr als einmal mit dem Gedanken getragen, so ein Buch zu schreiben, mit Anekdoten, in denen zu finden ist, wie der eine oder andere Anwender sich verhalten hat, was sie gemacht haben und mit welchen Fragen sie meine Kollegen und mich gelöchert und oftmals beinahe um den Verstand gebracht haben. 



Der eine oder andere Grund haben mich dann aber davon überzeugt, es nicht zu machen.



Einer davon ist, dass ich mich leider nicht mehr an alle Vorfälle erinnern kann.



Wie ich inzwischen habe feststellen können, bin ich wahrlich nicht der einzige ADHS / Aspie-Mensch, der sich damit herumplagen muss, gewisse Erinnerungen so weit und tief in sich begraben zu haben, dass der Zugriff darauf einfach nicht mehr richtig funktionieren will. 



Immer und immer und immer wieder habe ich mich gefragt, was falsch an und mit mir ist, dass ich mich an so viele Dinge in und aus meinem Leben nicht erinnern kann. 

Auch heute noch passiert es mir, dass ich in meinem Hirn nur eine Art schwarzes Loch vorfinde und die Erinnerung einfach ausradiert zu sein scheint. 



Es dürfte nicht überraschen, dass mich dieses das eine oder andere mal fast oder ganz in eine Depression zu reissen vermag und ich fast an mir verzweifle, weil ich dann das Gefühl habe, ich sei einfach blöd, viel zu vergesslich oder sonst auf eine andere Art und Weise fehlerhaft. 



Weiss der Geier.



Dann gibt es Tage, Augenblicke und Momente, da beschäftige ich mich mit etwas, gehe einer Arbeit nach und von jetzt auf den anderen Augenblick schleicht sich das Bruchstück einer Erinnerung in den normalen Lauf der Gedanken ein und bin in der Arbeit unterbrochen. 



Für ein paar Momente versuche ich dann die Erinnerung einzuordnen und weitere Teile der Erinnerung aus dem Tief zu holen, was mal funktioniert, ein anderesmal dann wieder nicht. 



Nun, gehen wir wieder zurück zum Thema Tod, Sterben und die Zeit danach.



Ich persönlich mache mir da nicht wirklich viele Gedanken: ich werde älter, und eines Tages, früher oder später, wache ich einfach nicht mehr auf, oder habe einen Unfall, oder werde ermordet oder was auch immer. 



Soll heissen; auch ich entkomme dem Tode nicht, was ich aber auch gar nicht versuche.







Dieses Buch kann ich soweit nur empfehlen.



Der Autor macht sich nicht wirklich lustig über seine Kunden, sondern berichtet schlicht und ergreifend aus dem Leben eines Bestatters und seinen Kunden und den daraus resultierenden Erlebnissen. 



Natürlich gibt es die lustigen, die eher zum Nachdenken anregenden und dann auch noch die Erlebnisse, bei denen man sich nur noch an den Kopf fassen kann, mit einem schlichten facepalm. 



Der Autor schafft es aber auch noch, mir, dem Leser, aufzuzeigen, dass das Sterben mit einigem an Bürokratie aufzuwarten hat und schon im Vorfeld einiges getan werden kann, damit auch nach dem eigenen Tod, alles so glatt und smooth wie möglich vor sich geht.



Sei es nur schon, dass es zum Beispiel eine Liste gibt, auf welcher alle Online-Dienste aufgeschrieben sind, mit Benutzername und Passwort, die nach dem eigenen Tod am besten deaktviert werden, bevor diese Firmen noch der Meinung sein könnten, die eine oder andere Rechnung schicken zu wollen. 



Dann sicher auch eine List, auf der alle Abos zu finden sind, die abbestellt werden müssen.



Ach ja; es wäre natürlich ganz toll, wenn ich schon vor meinem Tode wüsste, ob ich begraben werden möchte, oder ob ich in Asche umgewandelt werden soll, damit ich irgendwo dem Winde übergeben werden kann. 



Mein Fazit?



Auch wenn es hier um den Tod, die Folgen, das Vorher, das Nachher geht, zieht es mich nicht runter, bin ich während und nach dem Lesen mehr als weit weg von einer Depression und daher: ganz tolle Sache 🙂

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