Stirb langsam.
Der erste Teil der Reihe war neu.
Der erste Teil der Reihe war erfrischend.
Der erste Teil der Reihe brachte eine neue Art von Helden auf die grosse Leinwand.
Wurden die Actionhelden bis dahin von Schwarzenegger, Stallone und anderen muskelbepackten Schauspielern dargestellt, sah man sich plötzlich einem neuen Typen gegenüber: der Normalo. Ein Mann, wie man ihm jeden Tag begegnete.
Ein Mann, der nicht jeden Tag ins Fitnesscenter rennt, um einen Adoniskörper aufzubauen.
Ein Mann, für den andere Dinge wichtig sind.
Ein Mann, der zwar bereit ist, sein Leben aufs Spiel zu setzen, der aber dafür nicht Waffen benötigt, die teilweise schwerer als er selber sind und über ein Kaliber verfügen, neben dem ein Panzer rot anlaufen würde.
Bruce Willis!
Bruce wer??
Als der erste Teil ins Kino gekommen ist, und da erinnere ich mich noch gut daran, haben viele Menschen, bevor sie den Film gesehen haben, noch gelacht und waren der Meinung, dass Willis gar nicht in den Film passen würde.
Schwarzenegger oder Stallone: nur mit einem von den beiden könne so ein Film funktionieren.
Ich weiss noch, wie ich an einem Sonntag in Olten in den Zug gestiegen bin, um nach Schiers zurückzufahren.
Dabei bin ich inter Unterführung an dem Glaskasten vorbeigelaufen, in dem die Olterner Kinos Werbung für die Filme gemacht haben.
Dort habe ich zum ersten Mal das Plakat zu Die Hard gesehen.
Sofort bin ich stehengeblieben und habe es mir ganz genau angeschaut. Keine zwei Sekunden und mir war klar und bewusst: diesen Film muss ich mir einfach ansehen. Dieser Film, den darf ich auf keinen Fall verpassen.
Leider war mir das Glück zu der Zeit nicht wirklich hold. Im Kino habe ich ihn verpasst. Zuerst, weil ich zu wenig Geld hatte, dann auch, weil ich nicht jedes Wochenende habe nach Hause gehen können und dann auch noch, weil der Film zwar in Chur gespielt worden ist, aber ich irgendwie es nie geschafft habe, dorthin zu gehen. Nur schon, weil ich zu der Zeit noch den sogenannten Sonntagssteiss hatte: damit war mein Wochenende immer verplant, weil mir zusammen mit einem Lehrer, der sich freiwillig der Aufgabe gestellt hatte, etwas unternommen hatten. Obwohl im Begriff nur der Sonntag erwähnt wird, war es in den meisten Fällen so, dass das Ganze am Samstag angefangen und bis Sonntagabend gedauert hat.
Wie dem auch sei: von den meisten, die sich den Film ansehen haben können, wurde mir gesagt, dass das einer der besten Actionfilme sei, der je ins Kino gebracht worden ist.
Es hat dann noch ein wenig gedauert, bis ich ihn mir auch habe ansehen könne. Wenigstens auf Video hatte ich das Vergnügen.
Bruce Willis, der sich einen Namen als Komiker gemacht hatte, der auch ein oder zwei Musikalben auf den Markt gebracht hatte und er hatte die Hauptrolle in einem Actionfilm bekommen?
Aber genug in der Vergangenheit gegraben.
Der erste Teil dieser Reihe ist auch für mich einer der besten und wegweisensten Actionfilme aller Zeiten.
Nur schon, weil wir es hier mit einem Helden zu tun haben, der bluten kann, der auch blutet, dessen Kleidung in Mitleidenschaft gezogen wird und nicht zu jeder Sekunde aussieht, als wäre sie frisch aus der Wäscherei gekommen.
Ein Held, der schwitzt, der auch mal nicht weiterweiss. Ein Held, der auch mal zögert und für den Waffengewalt wirklich das letzte aller Mittel ist. Aber auch ein Held, dem es egal ist, wenn er sich schmutzig macht, im normalen aber auch im übertragenen Sinne.
Dann kam der zweite Teil in die Kinos, der eine ganze Ecke grösser war und bei dem ein ganzer Flughafen, inklusive Jumbo-Jets, als Kulisse herhalten mussten.
Nun der dritte Teil.
Wenn es um Fortsetzungen geht, dann hat Hollywood eine Regel, auch wenn die nicht immer ganz logisch und nachvollziehbar ist: von Teil zu Teil muss es einfach grösser werden und der Held muss ein grösseres Gebiet haben, welches er oder sie unter Kontrolle bekommen muss.
Ein Flughafen, nun schon eine Ganze Stadt, inklusive ein paar Strassen und Wege, die aus der Stadt hinausführen und dann noch ein Dampfer.
Natürlich gibt es eine Frage, die man sich stellen muss: Ist ein Film wirklich besser, wenn es immer grösser, grösser und noch viel grösser wird?
Der Film ist nicht grundsätzlich schlecht. Ist er wirklich nicht.
Ich finde ihn ab einem gewissen Punkt einfach nicht so toll wie die ersten beiden Teile.
Im ersten Teil gibt es eine Szene, in der Bruce Willis sich einen Feuerwehrschlauch um den Bauch binden muss, um vom Dach zu springen, bevor es explodiert. Die Szene, wie er springt und im Hintergrund die Explosion stattfindet: das ist ein Bild, einmal gesehen, nie mehr vergessen.
Damit will ich folgendes sagen: es hat eine Kleinigkeit wie ein Feuerwehrschlauch gereicht und ein Bruce Willis in einem schmutzigen T-Shirt und barfuss, um eine ganz genial, geile Szene zu stellen, die man nie mehr vergessen wird.
Nun hat er sich um eine ganze Stadt zu kümmern. Da reicht so ein Schlauch natürlich nicht mehr. Es braucht dann schon so Dinge wie Trucks, natürlich die grössten, die zu finden sind, und eine Verfolgungsjagd durch die Kanalisation, um der Kulisse gerecht zu werden.
Sicher, auch hier wird mit der enge des Raumes gespielt: der Truck passt ganz knapp hindurch und dann kommt das Wasser Willis muss sich nach oben retten und der Truck wird ertränkt.
Oder die Bomben, mit denen die Polizei erpresst wird: die sind grösser, beinahe doppelt so gross, wie ein normal grosser Mann und sind dick, als ob man einen Haifisch darin aufzüchten möchte.
Es sind immer wieder diese Szenen, in denen alles so riesig gross dargestellt wird, die ich am langweiligsten finde, die mich am meisten nerven. Als ob dem Zuschauer diese Dinge gnadenlos in die Augen gedrückt werden sollen und als ob der normale Kinogänger zu dumm wäre, kleine Dinge richtig einzuordnen.
Viel gelungener finde ich an dem Film den Teil, als Willis und sein Partner in Crime durch die Stadt gehetzt werden, nur um dann Rätsel zu lösen. Das spielt sich im Kleinen ab, und die Helden müssen nicht schiessen, sondern nachdenken und so versuchen, zu verhindern, dass der Bösewicht die Bomben zündet, die er in Schulen versteckt hat.
Immer wenn der Regisseur den Mut zeigt, ins Kleine zu gehen, sei es mit Rätseln, oder wenn Willis am Schluss mit einem Sechsschüsser und nur noch einer Kugel den Bösen vom Himmel holen muss, der sich in einem Hubschrauber auf die Flucht gemacht hat, immer dann funktioniert für mich der Film am besten.
Jedes Mal, wenn es dann zu gross wird, wenn Willis und sein Sidekick durch die Stadt hetzen, oder eben, mit einem Truck unterwegs sind, fange ich mich an zu langweilen und es fehlt mir einfach die Spannung, die sich in der grösse der Bilder in Luft aufgelöst hat.
Leere, kommt mir bei vielen Szenen des Films in den Sinn. Sicher, der Regisseur hat sich Mühe gegeben und versucht, kein Bild zuzulassen, welches als leer bezeichnet werden könnte, aber ist ja nicht so, dass ein Raum nicht leer ist, nur weil er voller Möbel ist: teilweise fehlt einfach die Ausstrahlung, es fehlt das menschliche und es fehlt der Bezug der Bilder zum Film, zum Inhalt des Filmes.
Für mich ist der Film streckenweise grausam leer und zieht mich einfach runter. Auch habe ich immer wieder das Gefühl, dass der dritte Teil nur gedreht worden ist, weil die ersten beiden Teile so viel Kohle in die Kassen gespült haben und das, dieses Gefühl, zieht mich noch viel mehr in die Tiefe.
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