Was habe ich mich 2012 gewundert, genervt, als ich gelesen habe, dass es ein Remake von Total Recall geben soll.
Mir hat sich die Frage gestellt: warum, um Himmels und Gottes Willen soll man von einem perfekten Film, ein Remake machen, dass auf keinen Fall besser oder wenigstens gleich gut werden wird?
Die Antwort ist natürlich: des Geldes wegen, nur des Geldes wegen.
Dann soll noch Colin Farrell die Rolle übernehmen, die seinerzeit von Arnold Schwarzenegger gespielt worden ist.
Um dem ganzen noch die Krone aufzusetzen, hat man dem Remake das wichtigste Merkmal des Originals geklaut und rausgeschrieben? Da wo das Original noch auf dem Mars spielt, hat man sich entschieden, die ganze Geschichte auf der Erde spielen zu lassen.
Aber, lassen wir das ... ich hänge mich lieber gleich wieder an das Original.
Das habe ich vor etlichen Jahren in Zürich in einem Kino sehen dürfen. Der Saal war brechend voll und ich musste in der vordersten Reihe sitzen, so dass ich die ganze Zeit nach oben gucken musste und am Schluss fast einen steifen Hals hatte, aber, he, das hat sich gelohnt. Für diesen Film hatte ich mir sogar den Hals angebrochen, nur um ihn sehen zu können.
Paul Verhoeven, der Regisseur, hat sich die Buchvorlage zur Brust genommen und nur dort Anpassungen vorgenommen, wo es wirklich notwendig war, damit das Ganze vom Buch auf die Leinwand hat konvertiert werden können. Er hat damit einen perfekten Film abgeliefert.
Arnold Schwarzenegger, der die Hauptrolle übernommen hat, lieferte mit seiner Darstellung des Doug eine seiner besten Performances ab und hat alle anderen mit sich gezogen.
Sharon Stone spielt in diesem Film seine Ehefrau, die schlussendlich versucht ihn umzubringen. Später im Film führt das zu einem der besten One-Liner in diesem Streifen.
Auch hier gilt. Der Film macht keinen unnötigen Schlenker, sondern strebt geradeaus dem Filmende entgegen. Der Zuschauer wird immer wieder auf eine falsche Fährte geführt, so dass man nie wirklich weiss, was Sache ist. Ausserdem stellt sich immer wieder die Frage: ist die Reise auf den Mars echt oder doch nur ein Implantat von Rekall.
So ganz sicher war ich mir auch am Schluss des Filmes nicht und auch heute noch, denke ich, es ist alles möglich. Es kann ein Implantat sein, aber, es kann auch eine echte Reise sein.
Ein sehr guter Film, der mir als Aspie sehr gut gefällt, weil er mich nie langweilt und weil er mich bei jedem mal ansehen, dazu zwingt, mir von neuem Gedanken zu machen. Sehr gut, sehr gut, mehr als sehr gut.
Text zur Therapie:
Wenn ich hier von Total Recall schreibe und spreche, dann denke ich dabei nicht an dieses missratene Remake mit Colin Farrell, sondern an das Original, in welchem Arnold Schwarzenegger den Helden ge-spielt und geboten hat.
Ich hatte das Glück, diesen Film im Kino sehen zu dürfen und können.
Nicht nur einmal, sondern auch noch ein zweites Mal. Wobei ich mich besser an den zweiten Kinobesuch erinnere.
Damals hat es in Zürich noch einen Event gegeben, der den Titel «Zürich Kino Spektakel» getragen hat.
Das Spezielle an diesem Event war folgendes: Inner-halb von ein paar Tagen wurden in allen Kinos in Zü-rich Filme gezeigt, die entweder erst in ein paar Wochen oder gar Monaten offiziell in die Schweizer Kinos kommen würden, und dann auch noch Filme, die man gerne noch einmal im Kino sehen würde. Filme wie A Clockwork Orange und eben Total Recall.
Die Tickets für den jeweiligen Film musste man sich zeitig im Voraus reservieren und abholen gehen.
Zu der Zeit war Rastislav Valach noch mein bester Freund. Beide waren wir noch im Internat. Wir hatten dann folgenden Plan:
Wir haben uns für die Filme, die wir sehen wollten, die Tickets reserviert. Am Samstag sind wir gleich nach der Schule zum Bahnhof gerannt, eingestiegen und ab nach Zürich gefahren. Da wir nicht vorhatten, nach Hause zu gehen, haben wir die schmutzige Wä-sche im Internat gelassen, da wir auch dort die Möglichkeit hatten, die zu waschen.
In Zürich angekommen, haben wir uns die reservier-ten Tickets geholt.
Es wäre natürlich zu einfach gewesen, wenn alle Filme, die wir sehen wollten, im gleichen Kino ge-laufen wären.
Nein, wir haben das Ganze genau geplant: von wegen Tram fahren, Tagestickets fürs Tram kaufen und dann einen Plan, welcher Film wann in welchem Kino gezeigt wird.
Teilweise war ein Film fertig und 15 Minuten später hat schon der nächste angefangen. Einfach ein paar hundert Meter weiter, im nächsten Kino. Von wegen, kein Tram, also rennen, oder schneller laufen
Ich weiss jetzt gerade nicht mehr, welchen Film ich mir vor Total Recall angesehen habe: ich weiss nur noch, ich musste rennen und war, das ist mir seit damals nie mehr passiert, der letzte Kinobesucher, der reingekommen ist. Ich habe genau den letzten Platz bekommen. In der vordersten Reihe.
Das war mir aber so was von egal.
Ein Raum voller Arnold-Schwarzenegger-Fans, ein brechend voller Raum.
Fans, die immer wieder Szenenapplaus gegeben ha-ben.
Kann es im Kino etwas Besseres geben, als ein Pub-likum, welches voll abgeht und den Film abfeiert, als ob es kein Morgen mehr geben würde?
Ja, es mag Dinge geben, die in etwa gleich gut sind.
Aber eben: es war ein Erlebnis.
So hat es einfach genial viel Spass gemacht, sich den Film anzusehen, zu geniessen.
Obwohl es keine Pause gegeben hat und die Luft ir-gendwann nach dem Bier und so Zeugs gerochen hat, das die Leute reingeschmuggelt haben, hatte ich ei-ne ganz genial grossartige Zeit.
Ich mag mich jetzt gar nicht über den Inhalt des Films auslassen. Der kann an einigen Stellen im In-ternet sehr gut nachgelesen werden.
Was ich sicher noch schreiben will und werde:
Das ist ein Film, der mich nicht runterzieht. Es ist schlussendlich ein Actionfilm, der einem auch noch das eine oder andere Rätsel aufgibt und einem dazu animiert, ein wenig nachzudenken.
Dieser Film schafft es, wenn es mir mal nicht wirk-lich gut geht, mich aufzuheitern. Die Actionszenen sind so gut gemacht, dass ich noch immer teilweise fast anfange die Nägel zu kaufen, was ich nicht ma-che und dafür den Deckel der Colaflasche nehme und diesen kaue, als ob es ein Kaugummi wäre.
Ganz grosses Kino, für die Ewigkeit gedacht und perfekt umgesetzt.
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