Ab und an gibt es Fragen, die dort gestellt werden, die ich selber recht interessant finde und auf die ich gerne eine Antwort hätte.
Dann, von Zeit zu Zeit gibt es aber auch Fragen, die sind so jenseits von gut und böse, dass ich mich doch sehr zurückhalten muss, um dem Fragesteller nicht bitterböse, überaus zynisch zu antworten, um ihm damit klarzumachen, dass es unter Umständen doch Fragen gibt, die eher als blöd und dumm anzusehen sind, die aber in erster Linie nur offenbaren, dass der Mensch, der die Frage gestellt hat, vom Thema so gar keine Ahnung hat.
Hier eine Frage, die mich an einem Teil der Menschheit hat zweifeln lassen:
Welche Erfahrungen könntest Du mit einer depressiven Person teilen, um ihr zu zeigen, dass ihre Probleme im Vergleich zu anderen wirklich klein sind?
Tja.
Was soll man schon darauf antworten?
Als Betroffener, der selber jeden Tag mit schweren Depressionen, den Folgen und Fragen, die damit einherkommen, zu leben und kämpfen hat, möchte ich versuchen, meine Gedanken zu virtuellem Papier zu bringen.
Was fällt mir ein, wenn ich diese Frage lesen und daran denke, dass diese in aller Ernsthaftigkeit gestellt worden ist, mit dem Ziel, eine Antwort zu erhalten?
Statt den Depressiven mit diesen "Erfahrungswerten" zu bewerfen und damit zu riskieren, ihn so noch tiefer in die Depression zu treiben, wäre es doch viel einfacher, ihm gleich das Kissen übers Gesicht zu legen und ganz fest zuzudrücken, so dass er nach ein paar Minuten sein Elend ganz sicher hinter sich hat.
Das wäre viel gnädiger und menschlicher, als noch viele der ach so weisen Worte zu verlieren und einen auf Gutmensch zu machen, der in diesem Augenblick aber nur beweist, dass er oder sie nur gut darin ist, sich mit Dingen zu beschäftigen, von dem er oder sie so gar keine Ahnung hat, sich auch nicht informiert hat und einfach ganz frisch und locker frei von der Leber dahinlabbert,
Wenn ich von einer Depression eingeholt werde, und ich spreche hier von den schweren Depressionen, gibt es nicht viel, dass ich machen kann.
Es ist ja nicht so, dass ich dann einfach nur faul rumliege und es geniesse, mich so wenig wie möglich zu bewegen.
Es ist eher so, dass ich einfach nicht anders kann.
Egal wie sehr ich es auch versuche: die schwarze Wolke hängt über mir und unsichtbare Gewichte, die, so kommt es mir immer wieder vor, in etwas das Gewicht des Mondes haben, drücken mich Richtung Erdmitte und verhindern, dass ich es schaffe, auch nur etwas vernünftiges zu machen, was Bewegungen beinhalten würde.
In diesem Augenblick bin ich ein Gefangener in meinem Körper und, was noch viel schlimmer ist, ein Gefangener meiner Gedanken und meiner Gedankenwelt.
Das Wichtigste ist für mich dann, dafür zu sorgen, dass meine Gedanken nicht auch nur noch aus purer Schwärze bestehen, sondern ich es schaffe, wenigstens den einen oder anderen Grauton erscheinen zu lassen, vielleicht sogar die eine oder andere Farbe aufblinken lassen kann.
Es ist ein Kampf.
Es ist anstrengend, sich in dieser Zeit nicht aufzugeben und zu versuchen, die Gedankenwelt so weit wie möglich im Griff zu haben.
Für mich ist es jedesmal aufs Neue ein Glück und Segen, wenn ich nach einiger Zeit einfach einschlafe und damit dieser Welt wenigstens zu diesem Teil entflohen bin.
Wenn es dann, im Verhältnis, ein ganz guter Tag ist, ist der Schlaf so gelagert, dass ich mich im Anschluss nicht daran erinnern kann, was ich geträumt habe.
Das kann, je nachdem wie mühsam der Traum gewesen ist, dass ich gleich nach dem Aufwachen wieder ins Loch falle und es gleich weitergeht, wie schon vor dem Einschlafen.
Ist die Erinnerung getrübt und der Traum vergessen, geht es mir nach dem Aufwachen besser. Nicht gut, aber immerhin schon besser. Es dauert dann ein wenig, bis ich ganz wach bin, bis ich mich erholt habe und anfange, wieder Farben zu sehen.
Was ich brauche, sind Menschen, die das Ganze ernst nehmen.
Menschen, die akzeptieren, dass ich mit schweren Depressionen lebe und das jeden Tag.
Im Gegensatz, zu dem was viele glauben und zu wissen scheinen, gibt es Menschen, solche wie mich, die von der Wiege bis zur Bahre damit leben dürfen.
Es wird nicht passieren, dass ich eines Tages aufwache und, oh Wunder, die schweren Depressionen haben sich verabschiedet und sich ein neues Opfer ausgesucht.
Was ich brauche sind Menschen, die mich nicht mit Kalenderblattsprüchen versuchen aufzuheitern. Das funktioniert nicht. Es zeigt mir höchstens, dass mein Gegenüber weder mich noch die Krankheit ernst nimmt und mich damit auch nicht wirklich respektiert.
Was ich brauche sind Menschen, die mir den Freiraum geben, den ich in diesem Augenblick nötig habe.
Ich brauche Menschen, die mich in Ruhe lassen, bis ich von mir hören lasse.
Sicher: ich könnte natürlich auch jemanden zu mir lassen, und diese Person fängt an zu reden, zu erzählen und was auch immer: Nur würde mir das wirklich nicht helfen.
Das ist nicht der Augenblick, wo ich hören brauche, das jemand eine Fahrprüfung geschafft hat, oder im Lotte gewonnen hat, oder vielleicht ein Bein gebrochen, beim Versuch einen Berg zu besteigen: das alles würde mir nur zeigen, dass die anderen aktiv sind und ich eben nicht und mich damit noch tiefer in die Tiefe treiben.
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