Montag, 24. Dezember 2018
Goldkessel? Rainbow und das Album Bent out of Shape
Bevor ich mich so richtig mehr oder weniger endgültig über dieses Album auslasse, werde ich jedes Lied für sich selber anhören, und mir überlegen und klar darüber werden, was ich davon halte und ob ich es gut oder schlecht oder dazwischen finde.
Es geht los mit dem Song «Stranded».
Blackmore haut gleich am Anfang so richtig in die Saiten und lässt ich mir den Verdacht keimen, dass es sich hier um einen echten, genialen Rocker handeln würde.
Schon nach der ersten Minute fühle ich mich dann, gelinde gesagt, ein wenig auf den Holzweg geworfen.
Dieses Lied wurde von Blackmore und Joe Lynn Turner geschrieben und erdacht. Vielleicht liegt genau hier das Problem.
Problem? Ja, für meine Ohren hört sich dieses Lied viel zu sehr nach Pop an, viel zu sehr nach «ich-will-dass dieses-lied-jeden-tag-tausend-mal-im-radio-gespielt-wird» an.
Was noch schlimmer kommt: es hört sich wie ein misslungener Bastard aus Hard-Rock und Pop an. Als ob die beiden sich nicht einig darüber geworden wären, in welche Richtung es nun gehen soll.
Schade, echt schade: der Song hätte in jede, nur eine Richtung natürlich, sehr viel Potential gehabt und hätte zu einem echten Reisser werden können.
So ist es ein Song, der mir einfach nicht passen will, weil er mich in der Mitte durchreissen will und ich echt keine Lust auf dieses Blutbad habe.
«Can’t let you go» heisst der zweite Song.
Keine Frage: die Melodie hört sich nett und fast schon cool an. Aber sie packt mich einfach nicht, reisst mich nicht mit sich. Ja, Turner singt gut und vermag dem Lied ein paar Pluspunkte zu verleihen.
Es reicht aber auch hier nicht, um den Song über den Durchschnitt, um das Lied über die Mittelmässigkeit zu hieven.
Auch hier habe ich das Gefühl, dass es viel zu sehr in Richtung Pop gebürstet worden ist. Hätte Blackmore doch nur die Balls gehabt, und den Song so richtig Richtung Rock, vor allem Hardrock gedreht und gewendet, damit hätte die Truppe dann einen echten Bringer gehabt. So tönt er viel zu schmalzig, trieft so richtig nach Herzschmerz und mir wird beinahe schlecht.
«Fool for the night» heisst Lied Nummer drei.
Seufz. Auch so ein Lied, das so gerne ein echter Rocker und Bringer gewesen wäre, aber so glatt und belanglos daherkommt, dass selbst Teflon mehr Haftung bietet.
Nicht wirklich ein Lied, welches mir viel Freude bereitet.
Auf der anderen Seite: es ist so nichtssagend, dass es mich auch nicht Richtung Boden zu ziehen vermag und eine Depression damit sicher nicht erreicht werden kann.
«Fire Dance».
Auch dieser Song wurde viel zu sehr auf ganz glatt und rutschig gebügelt. Damit kann ich echt nichts anfangen. Höchstens verspüre ich ein ganz klein wenig das Verlangen, den Songschreibern in den Hintern zu treten, für dieses Verbrechen.
«Anybody there»
Oha, da fängt es ja mit einem langen Gitarren-Intro an. Es könnte sich hier also sogar um ein Instrumental handeln. Hört sich schon mal nach dem ersten Lied auf dieser Scheibe an, das ich mir anhören kann, ohne gleich eine Tüte zum Würgen zu gebrauchen. Doch, gefällt mir recht gut.
Ja, so gefällt er mir, der Blackmore, wenn er das macht, was er am besten kann: die Gitarre quälen und einfach spielen, was gespielt werden muss.
«Desperate Heart». Hört sich schon im Titel nach Pop an J.
Und ja, von der ersten Sekunde an geht es voll in Richtung Airplay on Radio. Kann gefallen, muss aber nicht. Auch hier habe ich das Gefühl, das Lied sei so richtig entmannt worden, wenn ich es für einmal so umschreiben darf.
Auch ein Song, den ich mir nicht wirklich geben muss.
«Street of Dreams».
Mit sehr deutlichem Abstand das beste Lied auf diesem Album. Leider viel zu poppig. Hier hätte der Härtegrad ein paar Kilometer weiter in die Höhe geschraubt werden dürfen, dann würde es mir nicht so schnarchig einfahren. Echt, dieses Lied ist im Grunde genommen so genial, nur ist es so scheisse beschnitten worden, so sehr dem Härtegrad beraubt worden, dass es schon weh tut.
«Drinking with the Devil»
Oha, dieser Song ist jetzt wirklich glatt an mir vorbeigegangen. Ich habe erst bemerkt, dass er läuft, als er schon fast fertig war. Damit dürfte ja klar sein, wie gut ich ihn wirklich finde.
«Snowman»
Es startet leicht, locker, fast flockig und ich fühle mich auf eine Wiese irgendwo in Irland verfrachtet. Es tönt aber einfach nicht nach Rainbow, was die ganze Problematik schon recht gut umschreibt. Wo ist bloss die Gitarre, wo die Härte. Es hört sich ja eher nach Café del Mar an.
Auf jeden Fall noch ein Instrumental. Blackmore lässt sich ein wenig Zeit, bis der die Gitarre wirklich erklingen lässt. Für mich dauert es viel zu lange und ich bin mit meinen Gedanken schon sehr weit weg. Aber auch hier: es ist so nichtssagend, dass es keine Gefahr für mich darstellt.
«Make your move»
Sicher, es kommt rockig daher, im Vergleich sogar rockiger, und trotzdem: es packt nicht, es reisst nicht. In mir passiert gar nichts. Ich könnte gleich einem Zombie ähnlich sein, wenn ich dieses Lied höre.
Ganz am Schluss kann ich nur sagen:
Ein Album, das ich ins Archiv stelle und wohl in den nächsten Jahren nicht mehr anhören werde, es sei denn, ich werde dazu gezwungen oder bekomme sehr viel Geld dafür geboten.
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