Sonntag, 30. Dezember 2018

Schildkröten? Ein Film mit dem Titel Schneller als der Tod

Sam Raimi .. 


Diesen Film hat er zu einer Zeit gedreht, als er noch nicht diese aberwitzigen Budgets zur Verfügung gestellt bekommen hat .. (ja, das ist ein ganz offener Hinweis auf die Spider-Man-Filme .. ) ... 


Also .. 


Es ist ein Western .. so weit so sehr gut .. 


Grundsätzlich geht es um zwei Sachen .. 


Wir haben eine Frau, die auf Rache aus ist .. 


Dann haben wir noch einen Despoten, der sich eine ganze Western-Stadt Untertan gemacht hat .. und der jedes Jahr einen Wettstreit in Sachen Duell austragen lässt ..


Dieser Despot sieht sich als den schnellsten Pistolen-Schützen im Wilden Westen .. Auch geht es ihm darum, so seine Feinde an einen Ort zu bekommen, wo er sie in die Zange nehmen kann .. soll heissen .. wenn die Gefahr besteht, dass einer doch schneller ziehen könnte als er, haben seine Männer den Befehl, diesen Typen um die Ecke zu schiessen .. 


Gehen wir zurück zu der Frau: als sie noch ein kleines Mädchen war, musste sie, von dem Despoten gezwungen, etwas ganz schreckliches machen und dafür will sie Rache ..


Die bekommt sie aber nur, wenn sie an dem Schiesswettbewerb teilnimmt und dann auch noch so lange gewinnt und überlebt, bis sie sich mit dem Despoten duellieren kann .. 

Schneller als der Tod.



The Quick and the Dead.



Sam Raimi, der durch einen kleinen, billigen Horrorfilm Weltruhm erlangt hat, wechselte ins Western-Genre und hat gezeigt, dass die irrwitzigen Kamerafahrten, bekannt aus The Evil Dead, auch in einem sehr-harte-Hunde-und-Hündinnen-Western ihre Berechtigung haben und diesen um einige Punkte aufwerten.



Weiss der hungrige Geier, wie er es geschafft hat, aber er hat es geschafft?



Was er geschafft hat?



Sharon Stone, Gene Hackman, Russell Crowe, Leonardo DiCaprio, Lance Henriksen, Pat Hingle, Gary Sinise, Woody Stroode, Sven-Ole Thorson, Bruce Campbell hat er in einen Film bekommen.

Eine echte Leistung, die einem Regisseur, der zu der Zeit noch ein Nobody war, jemand vormachen sollte.



Sam Raimi hat mit The Evil Dead einen DER Horrorfilme schlechthin geschaffen. Auch hat er damit die Schauspielkarriere von Bruce Campbell in die Gänge geleitet, der aber mit diesem Film einer ganz speziellen Problematik ausgesetzt worden ist:

Nehmen wir zum Beispiel Mark Hamill. Ich könnte jetzt die eine oder andere Rolle aufzählen, die er im Laufe der Jahre hat spielen dürfen und ein grosses Fragezeichen würde im Raum schweben. Nenne ich aber den Namen "Luke Skywalker" erinnert sich plötzlicher jeder, von wem ich spreche und wie er aussieht. Es gibt Darsteller, die das Unglück im Glück haben, eine Rolle spielen zu dürfen, die Überlebensgross ist und von diesem Zeitpunkt an alles überstrahlt, was sie sonst noch machen. Egal was ein Mark Hamill sonst gemacht hat: Luke Skywalker fällt den Leuten ein.

Egal was Bruce Campbell macht: The Evil Dead und der Name Ash fallen ihnen ein und dann noch, dass er eine Hand verloren hat und an diesem Stumpf eine Kettensäge angebracht werden kann, mit der er gegen die Mächte der Finsternis vorgeht.



Wie dem auch sei.



Sam Raimi hat sich hier an einem Wester versucht.



Dieser Versuch ist mehr als gelungen. Was einfach daran liegt, dass er sich nicht gross hat ins Machen reinreden lassen.



Gene Hackman gibt einen Bösewicht aber, der wirklich, wirklich, durch und durch Böse ist. Vom ersten Augenblick an will der Zuschauer sehen, wie er von Kugeln durchlöchert wird. Jede Minute scheint eine Qual zu sein.

Es gibt dann aber auch Szenen, in denen Raimi explizit zeigen will, dass wir es hier nicht mit einem Wesen aus der Hölle zu tun haben, oder einem Menschen, der gar keine Gefühle mehr hat: die Szene, in der Hackman an einem Tisch sitzt, mit einem für die damalige Zeit üblichen Nachtgewand, eine Brille auf der Nase und er etwas am Nähen ist, da sieht er schon fast wie eine Oma aus.



Dann wieder, wenn er als der grosse Chef der Duelle dasitzt und zusieht, wer gewinnt und wer verliert.



Russell Crowe spielt einen ehemaligen Kumpel von Hackman, der inzwischen zum Glauben gefunden hat.

Hackman spielt insofern das Böse, als dass er Crowe zwingt, bei diesen Duellen mitzumachen. Ein Gottesmann soll von seinem Glauben abfallen. Schon beim ersten Duell gewinnt Crowe, einfach weil die Reflexe noch da sind und weil der Wille zum Überleben noch so gewaltig in ihm schlummert.



Sharon Stone spielt die grosse Unbekannte in diesem Film. Bis fast am Schluss weiss der Zuschauer nur, dass sie sich an Hackman rächen will. Weil er für den Tod ihres Vaters verantwortlich ist. Es wäre fies, hier zu schreiben, was Hackman damit zu tun hat und wie Stone dabei involviert worden ist, war sie doch zu dem Zeitpunkt noch ein kleines Mädchen.



Was gefällt mir nun an diesem Film?



Zum Beispiel die darstellerischen Leistungen der Schauspieler.



Allen voran Gene Hackman. Selten ist es vorgekommen, dass ich einen Bösewicht so leidenschaftlich habe nicht mögen können :-) Selten ist es vorgekommen, dass ein Bösewicht trotzdem so menschlich dargestellt worden ist. Selten ist es passiert, dass ein Bösewicht so fies und nach Art eines Schweizer Käse hat ins Gras beissen dürfen.



Russell Crowe, dessen Figur ich den Wandel zwar abgenommen habe, den Wandel zum Guten hin. Es aber auch sehr gut habe nachvollziehen können, warum er dann doch wieder zu alten Tugenden hat finden müssen. Wer möchte schon nicht überleben und seinem Endgegner zeigen, wer hier wirklich der Boss ist.



Leonardi DiCaprio hatte eine dankbar undankbare Rolle. Seine Figur ist ein Jüngling, der sehr schnell ziehen und schiessen kann und trotz seines sehr jungen Alters zu den schnellsten der Schnelle gehört. Auf der anderen Seite nimmt er an dem Turnier auch nur Teil, weil Hackman sein Vater ist, der es zwar immer und immer wieder verleugnet, der Junge ihm aber beweisen will, dass er es wert ist, als Sohn anerkannt zu werden.



Sharon Stone. Sie spielt die schöne namenlose Rächerin. Ihr Ziel ist es den Bösewicht unter die Erde zu bringen. Wie es bei den Frauen zu der Zeit aber leider noch gang und gäbe war, musste sie zuerst einmal in sich selber einen Kampf gewinnen und zwar den, dass Frauen hinter den Herd gehören und nicht mit einem Revolver rumrennen sollten. Kaum hat sie diesen Kampf entschieden, weiss sie ganz genau, was sie zu tun hat und zeigt den Männern, wer den in der Gegend wirklich am schnellsten ziehen und schiessen kann.



Es ist einfach so, dass jede der Figuren ihr Paket zu schleppen hat.



Keiner von ihnen hat es wirklich einfach gehabt



Alle auf der Suche nach sich selbst oder nach einer Möglichkeit, sich und den Dämonen im Inneren zu entkommen, nur um zu erkennen, dass es kein Entkommen gibt und jeder von ihnen sich stellen und durchs Feuer gehen muss, um gereinigt und widergeboren hervorzugehen.



Alle haben sie eine Aufgabe zu erfüllen und nicht umsonst haben sich ihre Wege gekreuzt, ist es doch am Schluss so, dass man nur als Team gewinnen kann. Der Bösewicht hat ja auch seine Leute, die für ihne gewisse dreckige Aufgaben erledigen.



Der Film weiss mich abzulenken und für sich einzunehmen.



Bis heute habe ich ihn drei oder vier Mal gesehen und er gefällt mir noch immer gleich gut. Das spricht schon einmal sehr für die Arbeit von Sam Raimi, der zum Glück nicht so blutrünstig vorgegangen ist, wie bei The Evil Dead, aber es natürlich nicht hat sein lassen können, ein paar Szenen einzuflechten, die zwar nicht wirklich blutig sind, aber sehr schön aufzeigen, dass der Mensch oftmals tierischer als ein Tier ist.



Schlussendlich bleibt nur noch zu sagen, dass ich mir diesen Film zur Aufmunterung immer wieder ansehen kann. Er transportiert nichts mit sich, dass mich runterziehen könnte, oder das nur im Geringsten dafür sorgen könnte, dass ich mich plötzlich schlecht fühle.












Kommt hinzu, dass der Despot einen Mann hat einfangen lassen, der lange Zeit ein guter Kumpel von ihm war. Dieser Mann könnte aber der einzige Mann sein, der schneller ziehen kann .. also, lässt er ihn einfangen, anketten und gibt ihm einen Revoler, der so kaputt und alt ist, dass er nur schon beim Ansehen auseinanderfällt .. 


Genug zur Story ..


Es ist eine recht simple Handlung, aber, die zieht Raimi von Anfang an ganz gerade durch .. und das gefällt mir und sorgt dafür, dass mir der Film sehr viel Spass macht .. 


Diese Straffung der Story sorgt aber auch dafür, dass der Film recht spannend daher kommt und es kaum Längen zu beklagen gibt .. 


Auch schafft Raimi es, seine ganz spezielle Art und Weise der Kamerfahrten passend in den Film einzubauen, so dass er sich nur schon deswegen von anderen Western abhebt .. und das meine ich in einem sehr positiven Sinn.


Aber .. was wirklich für den Film spricht .. ist, auf jeden Fall in meinen Augen und in meinem Sinne: 


Der Film ist angefüllt mir sehr und mehr als sehr namhaften Schauspielern ..


Es fängt mit Gene Hackman an, der den Despoten geben darf. Er schafft es, diesen Mann so fies, arschgesichtig, mutig und doch gleichzeitig feige darzustellen, dass es einfach nur eine Pracht ist, ihm zuzuschauen.


Sharon Stone ... sie gibt die Rächerin und schafft es, was ich zuerst fast nicht glauben konnte und wollte, diese auf eine sehr menschliche Art und Weise zu spielen .. und trotzdem mit der Härte, die nötig ist, um diese Duelle zu gewinnen und am Schluss dem Bösen einen fetten Fusstrip zu verpassen.


Russell Crowe .. er ist der Mann, der eingefangen worden ist und sich, obwohl er gar nicht mehr will, an den Schiessereien teilnehmen muss .. am Schluss stellt und zeigt er sich als Held .. der dafür sorgt, dass die Rächerin ein faires Duell austragen kann ...


Leonardo DiCaprio .. er spielt den möglichen Sohn des Despoten. Er ist davon überzeugt, dass dieser sein Vater ist und will mit den Duellen nur den Respekt des Vaters einfordern, in dem er ihm zeigt, dass er genau so gut mit dem Colt umgehen kann, wie er. Er spielt einen mehr als tragischen Charakter und zeigt schon hier, wie gut er als Schauspieler sein kann .. 


Es gibt noch einige andere bekannte Gesichter zu entdecken, aber, die oben genannten sind die, um die es wirklich geht .. 


Der Film ist schnell .. ist von der Länge her genau richtig .. ich langweile mich nicht .. habe auch nie das Verlangen, aufs Klo zu gehen oder den Film im Schnelldurchgang ansehen zu wollen .. 


Sehr gut finde ich aber auch, dass es mir nach dem Film sogar gut geht .. nichts von wegen Depressionen .. oder von wegen Angst und Panik .. das ist ein Film .. der es ab und zu sogar schafft, mich aufzuheitern .. 


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